In München jagt ein Filmfestival das andere. Es ist wie auf der Großwildjagd, ständig ist man auf der Lauer nach dem außergewöhnlichsten, eindrucksvollsten oder glamourösesten Streifen. Wen einmal das Filmfieber gepackt hat, der ist in der Landeshauptstadt mit ihren vielfältigen Filmangeboten richtig.
Denn München ist die Medienstadt Deutschlands. Hier tummeln sich die bekanntesten Fernseh- und Filmproduktionsstätten. Der Bayerische Rundfunk wehrt sich standhaft wie ein Löwe der stets wachsenden Konkurrenz der privaten Anbieter und auf dem Bavaria-Filmgelände in Geiselgasteig werden seit 1920 Oscar-reife Filme gedreht. Wie wichtig die Filmstätten nicht nur als Arbeitgeber für München sind, zeigt der baldige Umzug der Hochschule für Film und Fernsehen von der Peripherie ins Stadtzentrum. Übrigens eine längst überfällige Aufwertung der Schule, die Oscarpreisträger wie Caroline Link und Florian Graf Henckel von Donnersmarck hervorgebracht hat. Letzterer gewann 2007 mit seinem Abschlussfilm "Das Leben der Anderen" das heiß begehrte goldene Männchen.
Wer im Festivaldschungel nichts versäumen will, zückt frühzeitig seinen Terminplaner. Nahezu jeden Monat gibt es themengebundene Filmwochen wie die lateinamerikanischen, türkischen, Fantasy- oder Kinder-Jugend-Filmtage. Im Mai wird Dokumentarfilmern aus aller Welt ein Forum geboten, gefolgt im Juni vom krönenden Höhepunkt der Münchner Filmsaison: dem internationalen Filmfest – mit rotem Teppich für Stars und Starlets. Im Herbst brilliert der Bunte Hund mit Kurzfilmen und das Asia Filmfest mit asiatischen Filmjuwelen.
Ein cineastisches Kleinod, dessen Renommee weit über München hinaus leuchtet, ist das Filmmuseum. Dort werden Zelluloidstreifen aus über hundert Jahren Filmgeschichte archiviert, restauriert und natürlich vorgeführt. Und das ist das besondere an München. Hier halten sich allen Unkenrufen zum Trotz Lichtspielhäuser, die Wert auf Filmkultur, Autorenkino und individuelle Programme legen.
Fast jeder Stadtteil beherbergt so ein Programmkino. Im Glockenbach zeigt seit fast 100 Jahren das Neue Arena ausgewählte Spiel- und Musikfilme. Das Theatiner im 50er-Jahre-Look mit seitlichen Logenplätzen hat sich dem französischen Autorenfilm verschrieben. Im Cinema auf der Nymphenburger Straße laufen Originalversionen, samstags oft Double Features. Das Schwabinger Isabella überrascht mit europäischen Filmen oft im Original. Spezialisten für Kunst- und Dokumentarfilme sowie experimentelles Kino sind Maxim und Werkstattkino. Die Museums Lichtspiele bieten Filmklassiker, ein Kinderkino und seit fast 30 Jahren die „Rocky Horror Picture Show“.
Natürlich gibt es auch Mainstream- und Multiplexkinos, in denen man komfortabler sitzt als in Flugzeugen und in denen das Teilen von überdimensionierten Popcornbechern, deren süßlich duftende Schwaden ganze Reihen überziehen sowie das ohrenbetäubende Knacken der knusprigen Taco-Chips das eigentliche Erlebnis sind. Davon gibt es rund 30 Kinos, meist mit mehreren Sälen. Wer nicht auf Tuchfühlung mit seinem Nachbarn gehen will, fährt ins Autokino Aschheim. Die Münchner Kinolandschaft bietet eben für jeden etwas.
Von Karin Nagl
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