Am Tag der offenen Tür drängen hunderte Neugierige durchs Maximilianeum. Beeindruckt von den Fluchten der Gänge, den Gemälden vergangener Berühmtheiten und der kontrastierenden Schlichtheit des Plenarsaals bleibt ihnen die eigentliche Bestimmung des Prachtbaus verborgen: Eine Stipendiatenanstalt für hochbegabte Abiturienten. Wer zu den Maximilianeern gehört, hat es geschafft.
Als König Maximilian II. proklamierte, man müsse die Jugend dringend fördern, war vom Pisa-Schock noch keine Rede. Der Monarch, der selbst studiert hatte, wollte eine Bildungsstätte für Begabte schaffen. 1857 wurde mit dem Bau der Studienstiftung, am Ende der Maximilianstraße begonnen. Wie die Prachtstraße sollte auch das Maximilianeum im so genannten Maximiliansstil glänzen: eine Mixtur aus allen historischen Kunstepochen vereint mit moderner Bautechnik. Die Stiftung war aufs Beste ausgestattet. Die Bilder der „Historischen Galerie“ zeigen weltgeschichtliche Ereignisse wie Friedrich Kaulbachs „Krönung Karls des Großen“. Die überall verteilten Marmorbüsten stellen Erfinder (Leibniz), Weise (Konfuzius), Literaten, Staatsmännern und Feldherren (Alexander d. Große) dar.
Seit 1949 teilen sich die Stipendiaten das Maximilianeum mit dem Bayerischen Parlament, das für Miete und Unterhaltspflicht des Gebäudes aufkommt. Zuerst beargwöhnten sich Studenten und Abgeordnete. Inzwischen feiert man Feste gemeinsam. Die Sitzungen werden live aus dem Plenarsaal ins Internet übertragen. Einen herrlichen Panoramablick über die Stadt genossen in Vorkriegszeiten nicht nur die Stipendiaten, sondern auch die Besucher des Cafés in den Arkaden. Damals war es das höchstgelegene, heute wirbt die Landtagsgaststätte mit perfektem Service und historischem Ambiente.
Ziel des Monarchen war es, die besten Abiturienten Bayerns und der linksrheinischen Pfalz (gehörte mal zu Bayern) für den höheren Staatsdienst zu gewinnen. Vorausgesetzt, sie waren Christen. Dazu gewährte er ihnen − unabhängig von Stand und Vermögen der Eltern − freie Kost und Logis. Mediziner und Theologen waren davon ausgenommen. Ursprünglich war das Stipendium nur Männern vorbehalten. Dank einer Stiftung des Hauses Wittelsbach werden seit 1980 auch Frauen gefördert und dürfen dort wohnen.
Die Aufnahmebedingungen sind für alle gleich: Jeder muss ein 1,0-Abitur vorweisen und zwei Auswahlstationen überstehen. Wer die erste erreicht, erhält vom Freistaat ein Stipendium von rund 400 Euro. Mit bestandener Maximsprüfung kommt die Eintrittskarte ins Maximilianeum. Dem Fleißigen sollte es dann auch an nichts fehlen. Erhielten die Stipendiaten damals zu jeder Mahlzeit einen halben Liter Bier, so werden sie heute von acht Angestellten umsorgt: einem Koch, zwei Küchengehilfen, dem Hausmeister, der Waschfrau und den drei Putzfrauen, die auch die Zimmer reinigen. Außerdem stehen ihnen eine Bibliothek und ein Schwimmbad, das sie mit den Abgeordneten nutzen, zur Verfügung. Die hart erworbene Mitgliedschaft, die auch Franz Josef Strauß und Physik-Nobelpreisträger Werner Heisenberg inne hatten, hält ein Leben lang und zahlt sich durch ein elitäres Netzwerk aus.
Von Dietmar Stanka
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