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Nymphenburg – eine Perle Münchens

Unter Königen dürfen Geschenke schon mal ein bisschen größer ausfallen: So schien der Auftrag zum Bau des Nymphenburger Schlosses angemessen zur Geburt des lang ersehnten Thronfolgers Max II. Emanuel. Er kam 1662 zehn Jahre nach der Eheschließung von Kurfürst Ferdinand Maria mit Henriette Adelaide von Savoyen zur Welt. Im September 1664 wurde mit der Sommerresidenz nach venezianischem und mailänder Vorbild begonnen. Der würfelartig angelegte Bau wurde unter Max Emanuel erweitert. Seitenanbauten, Marstall und Orangerie sowie eine anmutige Gartenanlage mit Parkburgen kamen hinzu.

Mit Dominique Girard und Joseph Effner setzte 1715 der entscheidende Ausbau von Schloss und Garten zur weit gerühmten Barockanlage ein. Kennzeichen war die symmetrische Anordnung der Baumreihen, Blumenrabatten, Heckengärten sowie künstlichen Wasserläufe, Kaskaden und Teiche. Auf dem Kanal fuhren venezianische Gondeln, im Park tanzte der Hof und lauschte im Freilichttheater Komödien.

Spaziert man heute im Park, stößt man bald auf die von Effner entworfene Pagoden- und Badenburg. Erstere sollte mit ihrem oktogonalen Grundriss und der Einrichtung den Eindruck eines chinesischen Teehauses vermitteln. Der Name beruht auf den chinesischen Götterfiguren, damals Pagoden genannt. Die Badenburg bietet einen prächtigen Festsaal und ein beheizbares Schwimmbecken. Vergleichbares gab es damals nur in Versailles.
 
Im etwas verwilderten Teil des Parks steht die Magdalenenklause mit ihrer bewusst ruinenhaften Architektur. Sie besticht durch die grottenartige Kapelle und klösterlich strengen Räumen im Sinne einer höfischen Eremitage. Françoise Cuvilliés gestaltete die Amalienburg im schönsten Rokoko. Auf dem Dach befindet sich ein Freisitz, von dem die jagdbegeisterte Kurfürstin Maria Amalia Fasane schoss. Hundert Jahre später, ein anderes Zeitalter hatte begonnen, verwandelte Friedrich von Sckell die Anlage in einen englischen Landschaftsgarten. Nach Klenze entstand der Monopteros am Badenburger See.

Um Geld in die leere Staatskasse zu bringen gründete Max Joseph 1747 die Nymphenburger Porzellanmanufaktur im nördlichen Schlossrondell. Einen Überblick über 180 Jahre Manufaktur-Können findet man im Marstallmuseum, im südlichen Flügel. In den einstigen Stallungen sind heute die goldenen Prunkwagen und –schlitten zu besichtigen. Das „Museum Mensch und Natur“, untergebracht im nördlichen Pavillon, erfreut sich wegen seiner interaktiven Computer-Animationen großer Beliebtheit bei Jugendlichen.

Herz des Haupttraktes ist der rokoko-üppige Steinerne Saal, der über drei Stockwerke aufsteigt und heute als Konzertsaal dient. Ludwig I. wies seinen Hofmaler Stiegler an, die hübschesten Töchter der Stadt gleich welchen Standes zu porträtieren. Zu besichtigen sind sie in der famosen Schönheitsgalerie. Der spätere Märchenkönig Ludwig II. wurde 1845 im Grünen Zimmer geboren, lernte im Kanal schwimmen und im Park reiten.

Feiern wie ein König? Hier ist es möglich: Eisernes Haus, Hubertus- und Orangeriesaal können gemietet werden. Besonders beliebt für Hochzeiten ist das Palmenhaus (www.palmenhaus.de).

Von Karin Nagl


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Samstag, 19.05.2012
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