Er führt fast eine Art Schattendasein, der Breitenstein im Mangfallgebirge, obwohl er mit 1.622 Metern für diese Ecke der Alpen schon fast imposant zu nennen ist. Wenn, ja wenn ihm da nicht sein Nachbar Wendelstein den Rang ablaufen würde. Mit seinem markanten Aussehen ist der Wendelstein unübersehbar, ganz im Gegensatz zum Breitenstein, der mit seinem sanften Bergrücken in dieser Hinsicht das Nachsehen hat.
Nichtsdestotrotz ist der Breitenstein einer der beliebtesten Ausflugs- und Wanderziele und das aus gutem Grund. Bereits die Anfahrt von München ist ein wahrer Genuss für das Auge, denn nachdem man in Weyarn die Autobahn verlassen hat und in Miesbach links Richtung Fischbachau abgebogen ist, fährt man vorbei an Wiesen und Wäldern, Bächen und lieblichen Dörfern und Weilern bis nach Fischbachau.
Diese kleine Gemeinde besteht aus mehreren Ortsteilen, für die Besteigung des Breitensteins muss der Wanderer in Birkenstein nach links abbiegen und findet nach kurzer Zeit einen generös dimensionierten Parkplatz, der trotz seiner Größe an schönen Tagen manchmal aus allen Nähten platzt. Deshalb ist es anzuraten, möglichst früh los zu fahren, auch wegen der Ruhe, die dann noch auf dem Berg herrscht.
Der Aufstieg ist auch für Ungeübte zu meistern und eignet sich bestens zum Saisonanfang als Training für kommende, schwierige und anstrengende Touren. Verlaufen ist praktisch unmöglich, die Wegweiser sind gut sichtbar angebracht und durch die hohe Besucherfrequenz des Berges könnte man immer jemanden fragen. Eine schöne und durchaus interessante Variante ist eine Abkürzung durch den Wald, die an einem Bachlauf entlang führt. Zu erkennen ist dieser Weg an einer Bank und dem obligatorischen Wegweiser.
Nach etwa 1,5 Stunden Gehzeit (gemütlich) erreicht man die Kessel-Alm auf 1.275 Meereshöhe, deren Küche und Köche leckeres auf den Tisch zaubern. Nach einer kleinen Stärkung führt der Weg über einen großflächigen Grashang bis zu einer Abzweigung, die rechts Richtung Wendelstein und links Richtung Breitenstein führt. Nach etwa 30 Minuten eines steileren Anstiegs öffnet sich eine Almwiese mit der saisonal bewirtschafteten Hubertushütte. Dort angekommen, lässt es sich herrlich rasten und bei einer Suppe und einem Weißbier kann man die bewältigten Höhenmeter Revue passieren lassen.
Der Aufstieg zum Gipfel ist dann nur noch Formsache – von der 1.535 Meter hoch liegenden Hütte sind es nur noch 87 Meter. Oben schweift der Blick hinein ins Chiemgau mit dem Chiemsee, hinunter nach Rosenheim und hinaus bis München. Die Alpenlandschaft zeigt sich dort oben friedlich und von ihrer besten Seite. An schönen Tagen ist unter anderem der Großvenediger zu sehen.
Beim Abstieg ist es sinnvoll, den Breitenstein-Rundweg zu nutzen, der einen kleinen Bogen schlägt und an einer Alm mit Ziegenhaltung vorbeiführt. Da der Weg zur Kessel-Alm in den Wintermonaten vom Schnee befreit wird - von März bis November ist die Alm am Wochenende geöffnet, von April bis Oktober täglich außer Montag - ist die Wanderung im Winter ein Geheimtipp.
Von Dietmar Stanka
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