Ein Landstrich Bayerns, für manchen unbekannter als der Grand Canyon oder die Cote d’ Azur, liegt eingebettet im Städtedreieck Nürnberg, Bayreuth und Bamberg. Eine wahre Schatztruhe öffnet sich dem Besucher in dieser, voller Romantik und Beschaulichkeit steckenden, Landschaft. Eine Insel fränkischer Gastlichkeit und voller Kunstwerke natürlicher und von Menschenhand geschaffener Art. Fachwerke und Felsen, Burgen und Höhlen, Architektur der Natur und eine reiche Geschichte sind Garant für eine kurzweilige Reise in den Norden Bayerns.
Die Autobahn A9 vom Süden aus Richtung Nürnberg kommend verlässt man am besten an der Ausfahrt Pegnitz/Grafenwöhr und fährt dann weiter Richtung Pottenstein. Kurz nach Schüttersmühle liegt linkerhand die größte, begehbare Höhle von insgesamt rund 1000 (!) in der Fränkischen Schweiz. Die Teufelshöhle mit gewaltigen Stalagmiten und Stalaktiten bestückt, die in 13 Jahren gerade mal einen Millimeter wachsen, erstreckt sich 1,5 km durch ein Felsmassiv. Neben den Führungen, bei denen auch das Skelett eines Höhlenbären zu sehen ist, werden spezielle Therapien für Asthmatiker und sonstige Atemwegserkrankungen angeboten.
Gerade mal ein paar Meter weiter befindet sich auf dem Weg nach Pottenstein gegenüber dem Felsenbad ein wahres Kinderparadies: Die nach eigenen Angaben wohl schönste Sommerrodelbahnanlage der Welt mit einer 1.160 m langen Abfahrt und einer zu jeder Jahreszeit nutzbaren Bobbahn. Die Ausblicke auf die nahe gelegene Burg in Pottenstein sowie die Felsenlandschaft der Fränkischen Schweiz lässt einen wirklich glauben, auf der schönsten Rodelstrecke der Welt unterwegs zu sein.
Freiherr Thilo von Winzingerrode ist der Burgherr einer der besterhaltenen und nach historischen Aufzeichnungen der ältesten Burg der Gegend. Der Architekt pflegt und hegt sein Familienerbe, in dem der 1958 geborene Pottensteiner aufgewachsen ist. Auch die über die Landesgrenzen hinaus bekannte Heilige Elisabeth war kurz Gast auf dieser Burg, was nicht nur das Elisabeth-Zimmer bekundet, sondern auch der Brunnen am Marktplatz der Stadt Pottenstein.
Durch das Püttlachtal führt der Weg weiter nach Tüchersfeld, einer der wohl meist fotografierten Ortschaften in der Fränkischen Schweiz. Dort befindet sich das gleichnamige Museum im so genannten Judenhof. Dieses sehenswerte Museum ist Teil der unteren Burg, die obere, die leider zerstört ist, befand sich oben auf einem der bizarren Felsen, die den Ort umschließen und so sehenswert machen. Die Sammlung zeigt geologische und archäologische Aspekte, Handwerk, Zunft, Kunst und Kunsthandwerk sowie Wohnen und Volksfrömmigkeit. Besonders hervorzuheben ist die kleine Synagoge aus dem 18. Jahrhundert.
Nach so vielen Eindrücken ist es an der Zeit eine Pause zu machen, um den Leib zu füllen. Dann beginnt allerdings die Qual der Wahl: Kaum eine andere Gegend in Bayern und wohl auch in Deutschland bietet auf so kleinem Platz so viele kulinarische Höhepunkte. Landgasthöfe allerorten stellen die regionalen Leckereien wie Schäufele und Co. bestens zubereitet auf den Tisch und dazu gibt es häufig das selbst gebraute Bier. Denn auch hier ist vor allem Oberfranken einsame Spitze: Über 70 Brauereien versorgen die Durstigen mit dem gesunden Hopfengetränk und das mit mehr als 600 Varianten.
Die kleine Gemeinde Gößweinstein kann gleich mit zwei Sehenswürdigkeiten aufwarten: Zum einen ist es die Burg, die hoch über die Ortschaft hinausragt, zum anderen die Basilika, die von dem berühmten Baumeister Balthasar Neumann geplant und unter seiner Leitung errichtet wurde. Zwei mächtige Türme sind das Markenzeichen der Barockkirche, der bedeutendsten und größten Kirche der Fränkischen Schweiz. Graf Goswin war nicht nur der Namensgeber der oberfränkischen Stadt, sondern auch der Erbauer der Burg, die 1076 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Der Rittersaal wird für Feierlichkeiten, wie Hochzeiten genutzt und bei der Burgbesichtigung können sich die Besucher ein Bild von der kargen Lebensweise des Mittelalters machen.
Die Langsamkeit aller Sinne und den puren Genuss kann man bei einer Fahrt mit einem AAGLANDER erfahren. Roland Belz, seines Zeichens Unternehmer und Besitzer des Schlosses in Kühlenfels war schon immer ein begeisterter Pferdenarr und Kutschenliebhaber. Als allerdings eines Tages immer mehr seiner Freunde von ihm in der wunderbaren Landschaft der Fränkischen Schweiz herumkutschiert werden wollten, kam er auf die glorreiche Idee, eine selbst fahrende Kutsche nach dem Vorbild der ersten Automobile zu konstruieren. Drei Jahre später baute er dann zusammen mit seinem kleinen Team die ersten AAGLANDER genannten Kutschen mit Motor. Zwei Varianten mit zwei bzw. vier Sitzplätzen werden nach einer kurzen Einweisung zur Vermietung angeboten und dann geht es ab. Nein, nicht wie die Post, sondern ganz gemütlich mit bis zu 20 km/h auf ausgesuchten Routen abseits viel befahrener Straßen. Die kürzeste Tour beträgt 3 Stunden, 1 Tag inkl. romantischem Picknick sollte es schon sein und die 3-Tages-Tour ist bestens für Gruppen geeignet.
Mountainbiker, Kletterer, Wanderer und Angler sind in der Fränkischen Schweiz bestens aufgehoben. Eine große Auswahl an interessanten Strecken für die Radler ist bestens dafür geeignet, die Alpen in den Schatten zu stellen. Mit 830 Höhenmetern und einer Länge von 33 km führt eine der schönsten Touren Deutschlands von Pegnitz nach Pottenstein und wieder zurück. Die von der Zeitschrift Bike im April 2005 ausgezeichnete Strecke ist gespickt mit Single-Trails und tollen Aussichten.
Kein anderes Gebiet in Deutschland bietet für Kletterer so eine reichhaltige Auswahl an Felsen und Routen. Für den Einsteiger werden Kletterkurse angeboten und die Fortgeschrittenen und Könner entdecken so manches Zuckerl. Wandern wird in der Fränkischen Schweiz ebenfalls groß geschrieben und in den zahlreichen Gewässern werden Angler eine Vielzahl von Fischen aus dem Wasser ziehen können – Angelschein vorausgesetzt!
Reiche Erlebnisse, kulinarische Hochgenüsse, leckeres Bier und tolle Landschaften gepaart mit sportlichen Aktivitäten und süßem Nichtstun – die Fränkische Schweiz bietet von allem ein bisschen, man muss es nur entdecken wollen.
Von Dietmar Stanka
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