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Klerikales München

Mariendom
Mariendom

Der Teufel ist auf München nicht gut zu sprechen, mehrmals holte er zum Schlag gegen Münchner Gotteshäuser aus. Doch die trotzen der diabolischen Macht. Rund 40 Kirchen und eine Menge Ordensleute brachten der Stadt sogar den Ruf „deutsches Rom“ ein.

Die ersten Siedler waren Mönche. Wer sie besuchen wollte, reiste auf das Petersbergl. Dort stand eine Kapelle, später St. Peter, die älteste Pfarrkirche (11. Jh.) Münchens. Gotik, Barock und Rokoko prägen ihren Innenraum.

Unverwechselbares Wahrzeichen der Stadt sind die Welschen Hauben der gotischen Frauenkirche. Der Dom, eine der größten Hallenkirchen Europas, entstand in nur 20 Jahren (1468–1488). Spektakulär, wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche Bauzeit einer Kathedrale oft Jahrhunderte betrug. Der Baumeister soll mit dem Teufel einen Pakt geschlossen haben: Baut er eine Kirche ohne Fenster, sorgt der Teufel für termingerechte Fertigstellung. Der Baumeister war listig und stellte die Pfeiler in die Achsen der Fenster. Der so übertölpelte Teufel stampfte wutentbrannt seinen Fuß in den Kirchenboden. Der diabolische Abdruck samt Sporn ist heute noch zu sehen.

Eine Oase der Ruhe finden Besucher der hektischen Neuhauser Straße in der Jesuitenkirche St. Michael. Stilistisch steht sie am Übergang von Renaissance und Barock. Im Giebel der eindrucksvollen Fassade thront Christus, im Erdgeschoss der Erzengel Michael, dazwischen verschiedene Herrscher und in der Fürstengruft neben 40 Wittelsbachern ruht der Märchenkönig Ludwig II.

Ein barockes Kleinod ist die Asamkirche in der Sendlingerstraße, mit ihr setzten sich die Brüder Asam ein Denkmal. Einen imposanten Farbtupfer stellt die barocke Theatinerkirche auf dem sonst eher tristen Odeonsplatz da. Ihre Entstehung verdankt sie einem Gelübde, das Henriette von Savoyen, die Frau des Kurfürsten Ferdinand Maria, anlässlich der lang ersehnten Geburt des Thronfolgers Max Emanuel 1662 ablegte.

Ein Stückchen weiter neben der Staatsbibliothek errichtete Friedrich Gärtner 1844 die Ludwigskirche. Sehenswert ist das Jüngste Gericht von Peter Cornelius, das zweitgrößte Altarfresko der Welt. Maßstäbe im zeitgenössischen Kirchenbau setzt die Herz-Jesu-Kirche in Neuhausen. Leitfaden der Architekten Allmann, Sattler und Wappner war Licht und Transparenz in das Gotteshaus zu bringen. Mit über 2000 Holzlamellen ist ihnen das optimal gelungen.

Unbedingt eine Reise in den Stadtteil Berg am Laim wert ist St. Michael – ein Hauptwerk des süddeutschen Rokoko ausgestattet von Künstlern wie Ignaz Günther und Johann Baptist Zimmermann.

Erfreulicherweise hat das katholische München auch ein Herz für Andersgläubige. Die evangelische St. Lukaskirche am Mariannenplatz wurde erst Ende des 19. Jh. im romanischen und frühgotischen Stil erbaut. Ein wechselhaftes Schicksal durchlebte die Salvatorkirche. 1803 wurde sie säkularisiert, 1806 den Münchner Protestanten übereignet und seit 1829 gehört sie der griechisch-orthodoxen Gemeinde. Seit März 2007 steht wieder inmitten der Stadt, am Jakobsplatz, die Hauptsynagoge. Bedeutend weniger zentral dagegen liegt die Moschee in Freimann.

Von Karin Nagl


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Samstag, 4.02.2012
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