Die Bayern sind ein schlaues Volk. Sie genießen das Leben in vollen Zügen und gehen anschließend zur Beichte. Kleine Sünden werden vergeben, große erfordern schon manchmal den Bau eines Klosters. So geschehen in Fürstenfeldbruck:
Rasend vor Eifersucht ließ der vermeintlich gehörnte Herzog Ludwig II. seine Gattin Maria von Brabant enthaupten. Da sich jedoch schnell ihre Unschuld herausstellte, musste er Abbitte leisten. Der Papst stellte ihm frei, als Kreuzfahrer nach Jerusalem zu gehen oder ein Kartäuserkloster zu gründen, das stellvertretend für ihn den grausigen Mord sühnen sollte. Klar, dass sich Ludwig II. 1263 für eine Klostergründung entschied, war ja auch viel bequemer. In Donauwörth wird alljährlich auf der „Freilichtbühne am Mangoldfelsen“ die tragische Tat nachgespielt.
Ebenfalls im nahen Einzugsbereich der Landeshauptstadt und daher ideal für einen Ausflug mit S-Bahn oder Fahrrad liegt das 762 gegründete Kloster Schäftlarn. Am Neubau der Klosterkirche St. Dionys arbeiteten fast alle namhaften Künstler des 18 Jh.: F. Cuvilliés und J. Fischer entwarfen das Rokokojuwel, J. Zimmermann und J. Straub waren für die Innenausstattung verantwortlich. Weit über München hinaus schallt heute der Ruf der Schäftlarner Konzerte. Wer keine Lust auf Kunst hat, wird kulinarisch bestens im Klosterbräu Stüberl mit lauschigem Biergarten versorgt.
Auch im Münchner Norden stehen Berge, wenn auch kleine. Dicht drängen sich Dom, Diözesanmuseum und die ehemalige fürstbischöfliche Residenz auf einem Berg über der Stadt Freising. Bereits um 715 stand hier die erste Marienkirche. Anlässlich der 1000-Jahr-Feier renovierten die Brüder Asam den Dom im feinsten Rokoko-Stil. Ein Kleinod ist die Bestiensäule (12. Jh.) in der Krypta, die einzige ihrer Art in Deutschland. Hier kämpfen Ritter auf Tod und Leben, das schlimmstenfalls im Maul eines Drachen endet.
Wie so oft ist auch in Rott am Inn der Bau des Klosters eng mit dem Tod verbunden. In Gedenken an seinen gefallenen Sohn stiftete 1083 Pfalzgraf Kuno den Benediktinern ein Kloster. Heute steht nur noch die Kirche, einer der kostbarsten und lichtesten Rokokobauten, die einen Vergleich mit der Wieskirche Stand hält.
Einmal mit dem Schiff Rund um den Tegernsee und dabei immer das Kloster vor Augen. Im 19. Jh. erwarb König Max I. Joseph die Anlage und ließ sie von Leo von Klenze zur Sommerresidenz umbauen, in der er auch Kaiser Franz von Österreich empfing. Die zu besichtigende Klosterkirche St. Quirinus besticht durch frühbarocken Stuck italienischer Meister und Fresken von H. Asam. Bräustüberl und herzogliche Brauerei sorgen für das leibliche Wohl der Touristen, die zu Zeiten Max I. Josephs begannen das Tegernseer Tal zu erobern.
Krönender Abschluss eines Ausflugs in den Chiemgau ist das ehemalige Kloster Seeon, das malerisch auf einer Insel im Klostersee ruht. Die romanischen Türme erinnern an den Freisinger Dom und besitzen wie die Münchner Frauenkirche welsche Hauben. Haydn und Mozart, der speziell für das Kloster zwei Offertorien schrieb, waren hier zu Gast. Heute finden dort Konzerte, Ausstellungen und Workshops statt.
Von Karin Nagl
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