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München – das Millionendorf

Königsplatz in München
Königsplatz

Einzelne Stadtteile Münchens können auf eine weiter zurückreichende Geschichte blicken als die Stadt München selbst. Ab etwa 530 wurde das Gebiet der heutigen Landeshauptstadt von den aus dem Osten einwandernden Bajuwaren besiedelt. Siedlungen mit der Endung –ing, entstanden: Pasing, Sendling und Schwabing. Der Name Münchens deutet, ebenso wie das Stadtwappen, auf eine Mönchssiedlung hin. Waren es nun Mönche oder vielleicht doch nicht, die „Apud Muniche“ gegründet haben - die Historiker streiten sich trefflich darüber. In jedem Fall ist im Münchner Wappen ein Mönch das Hoheitszeichen und der Name der Stadt lässt den Schluss zu, dass München aus einer Mönchssiedlung hervorgegangen ist, die bereits im 10. Jahrhundert gegründet wurde.

Der rotbärtige Kaiser Friedrich Barbarossa entschied 1158 mit dem Augsburger Schied, dass das Markt-, Münz- und Zollrecht der über 200 Jahre alten Siedlung zugesprochen wird. Vorangegangen war ein Gewaltstreich des Welfen-Herzogs Heinrich des Löwen, der die Isarbücke und den Ort Feringa (heute: Oberföhring) niedergebrannt hatte, um dem Freisinger Bischof Otto den Brückenzoll wegzuschnappen. Das Datum der Reichstagsurkunde vom 14. Juni 1158 gilt seit diesem Zeitpunkt als der offizielle Gründungstag Münchens.

Mit dem reichen Geldsegen, den die Salzhändler als Zoll abgeben mussten, wuchs München rasch zu einer Residenzstadt. 1240 übernahmen die Wittelsbacher die Herrschaft über die Stadt und dies erklärt auch die Stadtfarben schwarz-gelb. Im 15. Jahrhundert brachten die Wittelsbacher mit schwarz-gelben Rauten aus dem Wappen Kaiser Ludwigs des Bayern ihrer Kaiserwürde Ausdruck. So schließen sich einige Kreise und erklären das offizielle Wappen mit dem Mönch und dem Löwen, der seit 1313 im Hoheitszeichen auftaucht und bereits zu diesem Zeitpunkt auf die Wittelsbacher hinweist.

Das berühmte Münchner Kindl, dessen größte Ausführung 1,80 Meter misst und in 85 Metern Höhe auf der Spitze des Rathausturmes thront, hat eine bewegte Geschichte: Von der Verjüngung vom Mönch zum Kind sowie einer Geschlechtsumwandlung von Jungen zum Mädchen bis hin zu einem geschlechtsneutralen Münchner Kindl. Modell für das Rathaus-Kindl stand übrigens der bekannte Münchner Volksschauspieler Ludwig Schmid-Wildy, der damals 10-jährige Sohn des Bildhauers, der die Statue 1905 als Kupfertreibarbeit erstellte.

Herzog Ludwig II., genannt der Strenge, erbaute dazu den Alten Hof als seine Hofburg. Sein Sohn Herzog Ludwig IV. der Bayer wurde 1314 von den deutschen Fürsten zum König gewählt und erhielt 1328 in Rom die Kaiserkrone. So wurde München Zentrum des Heiligen Römischen Reichs, also Kaiserstadt. Große Geister hielten sich zu dieser Zeit in München auf, unter anderem Wilhelm von Occam und Bongratia von Bergamo.

Die damals wütende Pest machte auch vor den Stadttoren Münchens nicht halt, 1349 gab es die erste von 25 Epidemien, 1680 die letzte. Die Schäffler (Fassbauer) aus München führten 1517 zum Dank über eine überstandene Pest erstmalig ihren bis heute erhaltenen Tanz auf. Der Tanz der Schäffler kann heutzutage nur noch alle 7 Jahre live bewundert werden (das nächste Mal 2012), beim Glockenspiel des neuen Rathauses drehen die Fassbauer jeden Mittag ihre Runden.

Da München immer größer wurde, beschloss Herzog Sigmund (1439 – 1501) den Bau einer zentralen Kirche. Jörg von Halsbach, seines Zeichens Maurermeister und Erbauer des alten Rathauses, in dem heute das Spielzeugmuseum sein Zuhause hat, bekam den Zuschlag und nach der Grundsteinlegung waren die Türme bis auf die Spitzen in der Rekordzeit von 20 Jahren fertig. Legenden umranken die Fortführung der Bauarbeiten, z.B. die, keine Spitzen zu bauen, sondern die Türme als Verteidigungsanlage nutzen. Ebenfalls Blödsinn war, dass die Statik die gotischen Spitztürme nicht zulassen würde und dass diese Türme teurer wären als die damals in Mode gekommenen welschen Hauben. Fakt ist, dass die Frauenkirche, der Dom Münchens, 1524 mit Kuppeln bedacht war und 1525 vom Goldschmied Niclas Dazman die goldenen Knöpfe aufgesetzt wurden.

Neben Nürnberg und Augsburg stieg München bereits um 1300 zu einer der führenden Handelsstädte auf, die Handelsbücher zeigen Waren aus dem Orient auf, ebenso wie Tuche aus Flandern. Im Dreißigjährigen Krieg wurde München von schwedischen Truppen besetzt und kaufte sich für 450.000 Gulden frei.

Nach dem Krieg zog in München der italienische Barock ein: Kaufleute aus Italien ließen sich nieder und italienische Barockmeister veränderten das Stadtbild. Die Theatinerkirche zeugt ebenso von dieser Baukunst, wie das Palais Porcia, das Preysing-Palais und das Palais Holnstein, die heutige Residenz des Erzbischofs. Noch heute wird München als die nördlichste Stadt Italiens bezeichnet, was hier und heute mehr daran liegt, dass bei den ersten Sonnenstrahlen Gaststätten und Cafés ihre Stühle auf die Straße stellen und die Biergärten ihre Pforten öffnen.

Mit dem ersten Oktoberfest 1810 anlässlich der Hochzeit von Kronprinz Ludwig mit Prinzessin Therese (daher Theresienwiese, bzw. die Kurzform „Wiesn) wurde das mittlerweile weltgrößte Volksfest begründet. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich München unter den Baumeistern Leo von Klenze und Friedrich von Gärtner zu einer populären Kunststadt. Ludwigstraße, Königsplatz und die Erweiterung der Residenz sind noch heute prachtvolle Beispiele dieser Schaffenskunst.

König Ludwig II., auch als Märchenkönig und Wagner-Fan bekannt, brachte so manche Uraufführung des in Bayreuth weilenden Komponisten an die Isar. Seine Lebenseinstellung führte leider dazu, dass er entmündigt wurde und später unter immer noch ungeklärten Umständen im Starnberger See ertrank.

In den Jahren vor dem ersten Weltkrieg erlebte München einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung. Unter Prinzregent Luitpold, der Bayern von 1896 – 1912 regierte, entstand unter anderem das Prinzregententheater. Schwabing erwarb sich zu dieser Zeit seinen Ruf als Künstlerviertel und die Zeitschrift „Die Jugend“ (erschien erstmals 1896) war Namensgeber des Jungendstils. Von Thomas Mann stammen die geflügelten Worte „München leuchtet“, die in seiner Novelle „Gladius Dei“ aus dem Jahr 1902 die blühende Zeit widerspiegelt.

Nach dem ersten Weltkrieg wurde in München die Räterepublik ausgerufen und eine Zeit voller Unruhen erschütterte die Stadt. Georg Elser war 1924 der erste Attentäter, der Adolf Hitler beseitigen wollte, der zu dieser Zeit in München lebte und seinen wirren Gedanken des Nationalsozialismus verbreitete. Nach dem zweiten Weltkrieg mussten viele Spuren der Zerstörung beseitigt werden - Schuttberge, wie der Olympiaberg sind Zeugen dieser Vergangenheit. Die Olympischen Spiele 1972 brachten der bayerischen Landeshauptstadt den endgültigen Aufschwung und mehr Popularität als je zuvor.

Von Dietmar Stanka


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Dienstag, 7.09.2010
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