
Ruhig zieht die Dame mit der weißen Badehaube ihre Bahnen zwischen Wasser speiendem Löwenkopf und bronzenem Schlangenwürger. Ihre Haube erinnert ein bisschen an die Col-Lampe von Lujan. Neben ihr schwimmt ein kleiner Blumengarten. Die grünen und orangenfarbenen Blüten sind auf der engen Mütze aufgeklebt. In dem Müller’sche Volksbad schwimmen zu gehen, ist wie in ein anderes Jahrhundert und damit in eine andere Welt einzutauchen. Ein Ort der Muse, ein Ort der Ruhe für Verliebte und Liebhaber des Jugendstils.
Das Müller’sche Volksbad ist eines der schönsten Jugendstilbäder Europas. Es liegt mitten in der Stadt zwischen Isar und Auer Mühlbach in unmittelbarer Nähe des Deutschen Museums. Zu verdanken haben die Bürger das prunkvolle Bad dem Ingenieur Johann Karl Müller. Er vermachte der Stadt eine Schenkung mit der Auflage, ein Bad für das unbemittelte Volk zu bauen. Nach einem Entwurf des Architekten Karl Hocheder war das Volksbad nach vierjähriger Bauzeit 1901 fertig gestellt. Der Stifter wurde aufgrund seiner Verdienste um die Stadt München zum Ritter von Müller ernannt. In der Vorhalle steht seine Büste.
Vor hundert Jahren waren Duschen oder Badewannen in Privathaushalten noch weitgehend unbekannt. Daher nutzte man zur Körperpflege die öffentlichen Badeanstalten. Schon die Eingangshalle des Müller’schen Volksbads ist wie eine Ouvertüre zu einem großen Kunstwerk, das den Besucher einlädt, in der Schönheit des Neubarock und Jugendstils zu schwelgen. Genussvoll zieht man sich in den reich verzierten hölzernen Umkleidekabinen um und wählt dann zwischen dem großen ehemaligen Männerschwimmbad und dem halb so großen Damenbecken. Die Geschlechtertrennung wurde 1989 aufgehoben. Das Männerbad ist von einem eindrucksvollen Tonnengewölbe überspannt und besticht durch seine Stuckdecke, den bronzenen Schlangenwürger und die vergoldeten Gitter der Abluftöffnungen. Durch sie strömte an heißen Tagen kaltes zerstäubtes Wasser, um die Luft abzukühlen. Die kleine Schwimmhalle wird durch hübsche Jugendstillampen erhellt und ist mit aufwändigen Stuckarbeiten verziert. So genannte Badediener wachten strengstens über die Einhaltung der Badeordnung.
Ein Kuriosum des Bades war das Hundebad, das sich im Untergeschoss befand. Es verfügte neben einem Hundecoiffeur über Warmluftboxen, in denen die Hunde nach dem Bad ihr Fell trocknen ließen. 1978 wurde der Hundebadebetrieb eingestellt.
Heute lockt eine finnische Sauna mit wechselndem Farblicht, regelmäßigen Aufgüssen sowie dienstags und freitags mit Damentagen. Das Warmwasserbecken des römisch-irischen Schwitzbads befindet sich unter einer Glaskuppel in einem kreisrunden Licht durchfluteten Raum. In einer der vier Wandnischen steht die eiserne Jungfrau, eine halbkreisförmige Kaltdusche, aus der unbarmherzig kaltes Wasser strömt. Ebenfalls ein Genuss ist das Türkische Bad.
Wer das Juwel unter den Schwimmbädern nicht sofort verlassen will, kann sich in dem ehemaligen Warteraum der Damen, heute Café Stöhr, an gemütlichen Holztischen oder im Biergarten niederlassen und sich langsam wieder an die nüchterne Außenwelt gewöhnen.
Von Karin Nagl
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Öffnungszeiten:
Täglich 7.30 - 23.00 Uhr
Montag, große Halle
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01801 796 223