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Prunk und Pracht im Norden Münchens

Klein Versailles, Liebesschloss − viele Namen hat die Schlossanlage Schleißheim. Sie erzählt von Großmachtträumen und politischem Waterloo, von der Leidenschaft zum italienischen Barock und der Hinwendung zum französischen Stil. Geblieben ist eine einzigartige Residenz mit einer barocken Parkanlage, die in Deutschland ihresgleichen sucht.
 
Gründer der Schlossanlage war Herzog Wilhelm V. von Bayern. 1597 kaufte der regierungsmüde Herzog die in einsamer Moorgegend gelegene Schwaige Schleißheim dem Freisinger Domkapitel ab. Er errichtete einen Gutshof mit Herrenhaus, ließ Bier und Käse produzieren und versorgte den fürstlichen Marstall mit Pferden. Der Herzog fügte den bestehenden vier Kapellen noch weitere fünf hinzu und verbrachte fromm seinen Lebensabend. Das Herrenhaus wurde von Wilhelms Sohn Maximilian I. durch den stattlichen Schlossbau im norditalienischen Villenstil ersetzt. Im Zweiten Weltkrieg ziemlich zerstört, wurde das Alte Schloss 1972 teilweise rekonstruiert.
 
Als Kurfürst Max Emanuel Maria Antonia zur Frau gewann, beschloss er ein barockes Kleinod zu errichten. Seine Frau war zwar nicht besonders hübsch, dafür aber Tochter des österreichischen Kaisers. 1685 beauftragte der Blaue Kurfürst – er wurde wegen seiner Vorliebe für blaue Rüstungen so genannt – den Architekten Enrico Zuccalli mit der Errichtung des Jagd- und Gartenschlösschens Lustheim. 1719 wurde es unter Joseph Effner vollendet. Das Liebesschloss ließ er mit Fresken aus dem Diana-Mythos ausstatten. Die Ehe mit Maria Antonia verlief wenig glücklich. Auch starb sie bald im Kindbett. Heute birgt Schloss Lustheim die weltberühmte und nach Dresden bedeutendste Sammlung früher Meißener Porzellane.

Kurfürst Max Emanuel wollte eine seinen imperialen Träumen angemessene Residenz schaffen. Mit dem Neuen Schloss wurde unter Enrico Zuccalli 1701 begonnen. 1719 bis 1726 unter Joseph Effner fortgeführt und schließlich durch Klenze vollendet entstand ein herrlicher Prunkbau des Spätbarock und Rokoko. Die lange Unterbrechung erklärt sich durch die militärische Niederlage König Ludwig XIV. und seines bayerischen Verbündeten. Der Blaue Kurfürst musste seine Großmachtträume endgültig begraben und ging für 10 Jahre ins Exil.
 
Französische Eleganz prägt die beeindruckende Fenstergestaltung des Neuen Schlosses. Die riesigen Fenster wenden sich im Westen dem Alten Schloss, im Osten dem Park sowie dem Lustschloss zu. Die üppige und prachtvolle Innenausstattung vertraute er Künstlern wie Johann Zimmermann und Cosmas Asam an. Letzterer gestaltete gemeinsam mit seinem Bruder die Asamkirche in München. In den Galerieräumen präsentieren heute die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen Meisterwerke der europäischen Barockmalerei.
 
Die bezaubernde Parkanlage gehört zu den bedeutendsten europäischen Barockgärten. Bewusst entspricht die Breite des Neuen Schlosses den beiden Seitenkanälen, die sich hinter Lustheim zum Halbkreis schließen. Spaziert man entlang des Mittelkanals behält man immer einen Prachtbau im Blick. In der angrenzenden Gaststätte mit Biergarten kann man sich anschließend stärken.

Von Karin Nagl


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Dienstag, 22.05.2012
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