
Der Botanische Garten verführt in exotische Welten, in tropische Gefilde oder trockene Wüsten. Er ist lehrreich und einzigartig in seiner Farben- und Blütenpracht. 1812 wurde von Ludwig von Sckell der Alte Botanische Garten angelegt. 100 Jahre später beeinträchtigte die zunehmende Luftverschmutzung das Wachstum der Pflanzen derart, dass eine Verlegung des Areals vom verkehrsreichen Karlsplatz in die Menzinger Straße nördlich des Nymphenburger Parks gegeben schien. Die verbleibende Grünanlage erhielt 1937 einen barocken Neptunbrunnen und später einen großen Spielplatz auf dem jetzt Luxuswohnungen stehen. Einige Exoten wie Mammut-, Trompetenbaum oder Lorbeerkirsche schaffen es dennoch den Abgasen zu trotzen. In der grünen Oase lädt das Parkcafé mit angrenzendem Biergarten zur Erholung ein.
Der Neue Botanische Garten entstand auf einem ungleich größeren Areal. Gemeinsam mit dem Botanischen Institut und der Botanischen Staatssammlung werden zirka 14.000 Pflanzenarten kultiviert. Flanierende Blumenliebhaber schwelgen zu jeder Jahreszeit in der üppigen Flora des thematisch aufgeteilten Gartens. Im Frühjahr verwandelt sich der Schmuckhof in ein Meer aus Tulpen und Hyazinthen, im Spätsommer dominieren Astern und Dahlien. Zwischendrin sitzen Majolikafiguren aus der Nymphenburger Porzellanmanufaktur.
Im Frühling entsteht eine unglaubliche Farbenpracht im Schaufenster des Alpinen Hauses oder im Rhododendron-Hain. Am schönsten lässt es sich während der Sommermonate im Rosengarten flanieren. Dort versammeln sich herrlich duftende Rosen von edelstem Geblüt in einzigartiger Blütenpracht. Aufschlussreich ist die Abteilung der geschützten oder der Nutzpflanzen. Hier werden dem Besucher Arzneipflanzen gegliedert nach Inhaltsstoffen und Verwendungsart oder die verschiedenen Getreidesorten nahe gebracht.
Auf der westlichen Seite erstreckt sich ein weites Arboretum, in dem verschiedene Nadel- und Laubbäume streng getrennt voneinander wachsen. Um den hübschen Großen Teich wird Geographie demonstriert: Pflanzen aus Moor, Heide sowie Steppe und sogar der Arktis sind hier vertreten. Am Alpinum präsentiert sich die Bergflora der ganzen Welt.
Der Alpengarten hat seit mehr als 100 Jahren eine Dependance am Schachen (1.850 m) im Wettersteinmassiv. Ein anregender Wanderausflug von rund drei Stunden in den von Juli bis Mitte September geöffneten Alpengarten gibt Einblick in rund 800 alpine Pflanzenarten von den Alpen bis zum Himalaja.
Wer sich im Winter in den über 4.500 qm umfassenden Gewächshäusern, die aus einer faszinierenden Glas-Eisenkonstruktion bestehen, auf die Reise begibt, taucht in feuchttropische Gebiete, kühltropische Bergwälder oder heiße Wüsten ein. 6000 verschiedene Pflanzenarten darunter Baumlilien, Farne, Palmen, bizarre Orchideen, Sukkulenten und Kakteen erwarten den Besucher. Neben den ständigen Ausstellungen bilden Sonderveranstaltungen wie frei fliegende exotische Schmetterlinge im Wasserpflanzenhaus weitere Höhepunkte. Ein Ausflug hierher ist erholsam und erweitert unser Verständnis für ökologische Zusammenhänge in der Pflanzenwelt.
Von Karin Nagel
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