[Tipps rund um den Kochelsee] [Tipps rund um den Walchensee]
Franz Marc ist bereits zu seinen Lebzeiten in der Gegend um Kochel zuhause gewesen – Grund genug, 1986 in einer wunderschönen Villa am Herzogstandweg das Franz-Marc-Museum zu eröffnen um das Leben und Werk des bedeutenden Künstlers aus dem 20. Jahrhundert zu zeigen. Im Sommer 2008 wird die Sammlung nach 2-jähriger Umbaupause wieder eröffnet, nur einer von vielen Gründen, die kleine Gemeinde am Ufer des Kochelsees zu besuchen.
Denn neben Franz Marc war in Kochel ein weiterer berühmter Bayer beheimatet: Der Schmied von Kochel. Die Geschichte der tragischen Gestalt Balthasar Mayer ist schnell erzählt. Bayern kämpfte mit Frankreich gegen Österreich-Habsburg und wurde 1704 besiegt. Die Herrscherfamilie musste fliehen und österreichische Truppen besetzten Bayern. Durch die schwere Unterdrückung braute sich im Oberland ein Aufstand zusammen. Weihnachten 1705 wollten die Oberländer Bauern München wieder unter bayerische Regentschaft stellen, doch sie wurden verraten.
Nicht Münchner Bürger, sondern gut ausgerüstete kaiserliche Truppen erwarteten die aufständischen Bauern. Sensen, Morgensterne und nur wenige Gewehre konnten der Überlegenheit der Österreicher nicht standhalten und die Oberländer mussten zurückweichen. Das Dorf Sendling, jetzt ein Stadtteil Münchens, gab noch einmal Schutz, aber die Schlacht war verloren. Die aufständischen Bauern ergaben sich, wurden aber trotzdem von den Besatzungs-Truppen brutal niedergemetzelt. Balthasar Mayer, der Schmied von Kochel, wurde zum Anführer der letzten noch überlebenden Oberländer. Er fiel für seine Ideale am Sendlinger Kirchenhof getreu dem Schlachtruf „lieber bayerisch sterben als kaiserlich verderben“.
Weil auch die Technik nicht zu kurz kommen soll, ist eine Besichtigung des Walchensee-Kraftwerks ein interessanter Teil der Tour in diese Region. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Idee geboren, den Walchen- und den Kochelsee als natürliche Speicherseen zur Gewinnung elektrischer Energie zu nutzen. 1924 drehte sich die erste Turbine und der Beharrlichkeit Oskar von Millers ist es zu verdanken, dass das umweltfreundliche Kraftwerk einer der bedeutenden Stromlieferanten in Bayern ist.
Über eine serpentinenreiche Straße, den Kesselberg, geht es hinauf zum Walchensee, der im Sommer Paradies für Surfer ist. Ein aus nordöstlicher Wind lockt Tag für Tag hunderte der bunten Segel auf das Wasser. Aber auch unter Wasser ist der Walchensee ein perfektes Sportrevier. Tauchen ist angesagt im bis zu 200 Meter tiefen Wasser. Selbst ein Wrack ist zu besichtigen: Ein VW Käfer liegt in 15 Metern Tiefe und ist die Attraktion im tiefsten See Deutschlands.
Die Natur des mit 16,4 km² größten Gebirgssees Deutschlands inspirierte bereits Goethe zu romantischen Gedanken: „Heut ist mir alles herrlich; wenn’s nur bliebe! Ich sehe heut durchs Augenglas der Liebe.“ Und die Besucher können in den Erinnerungen des großen deutschen Dichters schwelgen, wenn sie die unverbauten Ufer des Sees mit ihren Wegen wandernd erleben.
Von Dietmar Stanka
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