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Bad Tölz – "Bullige" Gemütlichkeit

Lange galt Bad Tölz als Geheimtipp. Ein malerischer Kurort inmitten einer Postkartenlandschaft, manchem bekannt durch den Tölzer Knabenchor. Aus ist es damit, seit der "Bulle von Tölz" dort auf Verbrechersuche geht. Millionen streifen nun im Fernsehsessel durch Wiesen vorbei an braun gefleckten Kühen hin zur Marktstraße vors Polizeipräsidium und genießen mit dem Schwergewichtigen die Vorzüge der bayerischen Hausmannskost.

Lange vor dieser medialen Kunst setzte Klaus Mann dem alpenländischen Paradies ein Denkmal. Für ihn, der dort mit seinen Geschwistern viele Sommer verbrachte, hat es "den bittersüßen Duft von Tannen, Himbeeren und Kräutern". Er schwärmt vom "Sommerstädtchen Tölz mit seinen bemalten Häusern, seinem holprigen Pflaster, seinen Biergärten und Madonnenbildern" und dem Gebirge, das sich "gewaltig türmt".

Bittersüß ist auch die Geschichte des Kurorts. Idyllisch und zentral gelegen blieb den Einwohnern nicht viel Zeit zum Müßiggang. Tölz lag an einem wichtigen Schnittpunkt an der alten Salzstraße nach Bad Reichenhall. Schon 1331 erhielt es durch Ludwig den Bayern das Marktrecht. Mitte des 17. Jahrhunderts gibt es in Tölz bereits 22 Brauereien.

Hauptsächlich lebten die Tölzer von der Flößerei und dem Holzhandel. Per Floß gelangten aus dem Isarwinkel Möbel auf Isar und Donau bis nach München, Wien und Budapest. Ein schreckliches Unwetter ließ 1770 das Schloss einstürzen. An einen Wiederaufbau war nicht zu denken. Aber seine Steine nutzte man für den Bau der Münchener Residenz.

Mit der Entdeckung der Jodquellen 1899 erhielt Tölz den Titel Bad und entwickelte sich rasch zur Kurstadt, die zwar landschaftlich und klimatisch reizvoll, aber als Stadt wenig anziehend war.

Als die Familie Mann 1906 in Bad Tölz eine Sommervilla, „Herrensitzchen“ genannt, bezog, befand sich der Ort gerade im Umbruch. Dank der Initiative des Architekten Gabriel von Seidl wandelte sich ab 1903 das verfallene Stadtbild. Es entstanden neue Gebäude und bestehende wurden restauriert. Sie prägen das Stadtbild bis heute.

Mit der Marktstraße ist ihm der Erhalt eines einzigartigen Ensembles gelungen, einem der schönsten historischen Straßenzüge Oberbayerns. Fantasievolle Lüftlmalereien zieren die prächtigen, barocken Bürgerhäuser. Eindrucksvoll sind der Khanturm (1353), die alte Posthalterei (1600) und das ehemalige Rathaus (Nr. 48) mit Zwiebelturm und spätbarocken Portalen. Heute befindet sich das sehenswerte Heimatmuseum darin. Im Badeteil der Stadt schmückt sich die Johanneskirche (1879/80) mit einem Altarbild von Lovis Corinth.

Ein Spaziergang auf den Kalvarienberg, auf dem früher Hinrichtungen stattfanden, führt zur Leonhardikapelle. Seit 1855 pilgern die Einwohner am 6. November in geschmückten Vierspännern beim Leonhardiritt zur Kapelle hinauf. Ein wirklich sehenswertes Schauspiel.

Thomas Mann schätzte die „reine Luft der Gegend“. An diesem „Ort der Ruhe“, konnte er am „Zauberberg“ und an „Tod in Venedig“ arbeiten. Bauschan, Hauptdarsteller in der Erzählung „Herr und Hund“, ist ein echter Tölzer, burschikos und von robuster Gesundheit, wie die Tölzer eben so sind.

Von Karin Nagl


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Dienstag, 7.02.2012
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