Napoleon kam, sah und siegte. Meistens jedenfalls. Was Passau betraf, war er hingerissen und kürte sie zur schönsten Stadt Deutschlands. Ihren Charme verdankt Passau der Kunst italienischer Baumeister und der reizvollen Landschaft – drei Flüsse, Inn, Donau und Ilz fließen hier zusammen. Malerisch und mit südländischem Flair ist die Altstadt fast so schön wie Venedig.
Die optimale Lage schätzten schon Kelten, Römer und die Kirche. Bereits 739 war Passau Bischofssitz. Der Fürstbischof residierte in Kloster Niedernburg, das große Ländereien besaß. So viel Schönheit und Frömmigkeit könnte auch Gott zu Freude und Lachen veranlasst haben, möchte man meinen. Die Bürger sahen das anders und begehrten häufig gegen die klerikale Herrschaft auf. Überhaupt scheinen die Passauer etwas Rebellisches im Blut zu haben.
So wurde die Veste Oberhaus 1219 nicht nur zum Schutz gegen äußere Feinde, sondern auch gegen die Passauer Bürger errichtet. In Passau wurde 1552 der Protestantismus offiziell anerkannt, was drei Jahre später im Augsburger Religionsfrieden rechtlich fixiert wurde. Im Kerker des Passauer Schlosses entstand auch das erste Gesangsbuch der Täufer, eine Abspaltung der Reformatoren.
Heute ist die Dreiflüssestadt berühmt für ihre wortgewaltigen Kabarettisten. Gegen die starken konservativen Kräfte formierte sich in den 1970er-Jahren Widerstand, an dessen Spitze sich im Scharfrichterhaus in der Milchgasse Bruno Jonas und Siegfried Zimmerschied stellten. Die konservative Presse verhängte Nachrichtensperre über alle Veranstaltungen, das Bistum erstattete Anzeige wegen Gotteslästerung und die Stadt erließ Aufführungsverbot. Die Wogen glätteten sich und seit 1983 wird hier der deutsche Kabarettpreis, das „Scharfrichterbeil“, verliehen. Ob so viel Charakterstärke wird der liebe Gott sich wohl ein Schmunzeln nicht verkneifen können.
Ein Lächeln verdient aber allemal die Schönheit der Stadt. Nachdem sie 1662 völlig abbrannte, verliehen ihr italienische Baumeister (Carlone und Lurago) ein südländisch barockes Aussehen. Das Zentrum der Altstadt dominiert der Residenzplatz mit prächtigen Patrizierhäusern und der Neuen Bischöflichen Residenz. Sie beherbergt das Domschatz- und Diözesanmuseum mit romanischen und barocken Schätzen. In unmittelbarere Nähe ragt über allem im XXL-Format der Stephansdom. Er steht auf der höchsten Erhebung der Altstadt zwischen Inn und Donau, hat einen gigantisch großen und schönen barocken Innenraum und die größte Orgel Europas mit 17.794 Pfeifen.
Ein Stückchen weiter am Donauufer liegt der Rathausplatz mit dem im venezianischen Stil gehaltenen Rathaus. Überrascht es, dass die Passauer es bereits im 13. Jahrhundert eroberten? Stilvoll untergebracht im „Wilden Mann“ ist das Glasmuseum mit bemerkenswerten Exponaten zum Böhmischen Glas. Weiter ostwärts spaziert man vorbei am Kloster Niedernburg und dem Modernen Museum zur Ortspitze, dem Zusammenfluss von Donau, Inn und Ilz. Wer jetzt Lust auf nette Cafés und Geschäfte zum Shoppen hat, schlendert am Innufer vorbei am Schaiblingsturm und St. Michaelskirche zurück zur Ludwigsstraße in die Fußgängerzone.
Von Karin Nagl
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