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Salzburg – Mozart und Moderne

Salzburg ist immer für Überraschungen gut: Wer weiß schon, dass die Stadt außer Mozart auch Wunder und Bergputzer bietet? Mozart lebte dort und wurde in Bronze und Schokolade gegossen. Die Originalkugeln gibt’s seit 1890 in der „Konditorei Fürst“. Sie unterscheiden sich im Geschmack und ihrer blau-silbernen Verpackung von gängiger Kaufhausware. Also aufpassen, welche Kugel man geschenkt bekommt. Außerdem putzen die Leute hier nicht nur Straßen, sondern auch ihre Berge. So trifft sie kein lockeres Gestein. Dem nicht genug soll das Loretokindl − ganze 11 cm groß − Wunder wirken.

Stefan Zweig schätzte Salzburg als „antiquarisches, schläfriges, romantisches Städtchen ...“. Und da hat er Recht, sieht man mal vom Festspiel- und Mozartrummel ab. Salzburg befindet sich in einem Becken umgeben von legendenträchtigen Bergen, die in sanften Wellen auslaufen. Sein Reiz liegt in dem Wechselspiel von alt und neu, von pulsierendem Leben gepaart mit österreichischer Herzlichkeit.

Für einen Überblick bucht man hier keinen Rundflug, sondern besteigt den Lift, der einen in Sekunden auf den Mönchsberg bringt. Oben überwältigt das Panorama auf die Altstadt und den Festungsberg. Adleraugen visieren einen Brunnen mit Seepferdchen, der auf dem Residenzplatz steht. Vicenzo Scamozzi hat ihn für Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau entworfen, ebenso wie den Dom, Mozartplatz und den Alten Markt. Der Bischof, ebenfalls mit guten Augen gesegnet, genoss die unverstellte Aussicht auf den Nonnenberg und unterstützte die Stadt durch 15 Kinder mit seiner Geliebten Salome Alt.

Wieder unten angekommen, stärkt man sich mit Melange und Kuchen auf der Terrasse des legendären „Café Tomaselli“. Schließt man gesättigt für einen Augenblick die Augen und lässt die Domkuppel und die pastellfarbenen, schmalen Patrizierhäuser an sich vorbeiziehen, verspürt man eine Leichtigkeit, wie beim Genuss von Salzburger Nockerln. Der Trick liegt in der spezifischen Bauweise. Je höher jedes Stockwerk ist, desto kleiner und luftiger werden die Fensterreihen.

Die Salzburger waren schon immer findig. Als die Touristenzahlen stockten, führten sie die Festspielwochen ein. Und seitdem wird, laut Thomas Bernhard, die Stadt „von zwei Menschenkategorien bevölkert, von Geschäftemachern und ihren Opfern“. Doch bisher kommen die „Opfer“ gern und zahlen jeden Preis für den Salzburger Flair. Selbst wenn die Getreidegasse immer mehr in Auslagen mit Nannerl-Schnaps, Fertig-Pizzen und Mozart-Devotionalien versinkt. Wer die schmiedeeisernen Zunftzeichen oder die wunderschönen Hausportale (Nr. 9 Mozarts Geburtshaus) betrachtet und durch die romantischen Durchgänge spaziert, vergisst schnell Bernhards Kritik und taucht geradewegs ins 18. Jahrhundert ein.

Auch für Nachtschwärmer hat Salzburg einiges zu bieten: Wer tagsüber noch nicht zur Salzach kam, den lockt abends der Giselakai. Clubs wie „Chez Roland“ und „Daimler’s“ mit Bar und hervorragendem Restaurant im ersten Stock oder der direkt am Fluss gelegene „Living Room Bazillus“ mit Garten und atemberaubenden Blick auf Altstadt samt Festung lassen den Tag schön ausklingen.

Von Karin Nagl


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Dienstag, 7.02.2012
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