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Der Pfaffenwinkel – Bayerns reiche Kirchenbauten

Wenn Gott auf Erden wohnen würde, dann in Bayern, das zu den reichsten Klosterlandschaften Europas zählt. Mehr als ein Jahrtausend prägten hier Ordensgemeinschaften das geistig-kulturelle Leben. Bevorzugt siedelten sich die Pfaffen im Landkreis Weilheim-Schongau an. Der hohen Dichte an Klöstern verdankt der Landstrich auch seinen Namen Pfaffenwinkel. Klöster wie Andechs, Wessobrunn, Polling, Bernried, Ettal und Benediktbeuern sind noch heute in Betrieb. Rottenbuch, Dießen und Steingaden wurden zwar aufgelöst, symbolisieren aber eindrucksvoll Macht und Reichtum der Kirchen.

Wer reich ist, kann sich auch Kunst leisten. Die Klöster machten davon im Barock und Rokoko ausgiebig Gebrauch und ließen ihre Sakralbauten entsprechend prunkvoll ausstatten. Berühmt ist die Wessobrunner Schule des gleichnamigen Klosters, die herausragende Stuckateure, Freskenmaler und Baumeister wie die Brüder Zimmermann (Erbauer der Wieskirche) oder die Familien Schmuzer und Feichtmayr hervorbrachte. Ein literarisches Kleinod ist das Wessobrunner Gebet, mit Texten für die Heidenmission. Es wurde um 814 verfasst und gilt als ältestes Zeugnis bayerischer Sprache. Die Staatsbibliothek in München bewahrt es auf.

Der Pfaffenwinkel war auch ein Zentrum der Naturwissenschaft. Auf dem Hohen Peißenberg richteten 1781 die Rottenbucher Mönche im Auftrag des pfälzischen Kurfürsten die erste Bergwetterstation ein. Heute betreibt sie der Deutsche Wetterdienst.

Wer Entspannung, Kunst und Kultur sucht, fährt gern zum Ammersee. Der lockt mit idyllischen Badeplätzen und einer Klosterkirche in Dießen, die ihresgleichen sucht. Das Marienmünster ist ein Meisterwerk berühmter Künstler. Erbaut 1732-1739 von Barockmeister J. M. Fischer, entwarf der Münchner Hofbaumeister F. Cuvilliés den Altar und vom Venezianer Tiepolo stammte das Altarbild. Die Stuckaturen, die wie aus Marmor gemeißelt wirken, sind von den Brüdern Feichtmayr.

Den Tag würdig ausklingen lässt man am besten bei Bier und Kunst im nur 10 km entfernten Kloster Andechs. Rang eins unter den Top Ten der oberbayerischen Klöster belegt unzweifelhaft Steingaden mit dem Welfenmünster und der Wieskirche. Die Wallfahrtskirche „Zum gegeißelten Heiland auf der Wies“, ein einzigartiges Rokokojuwel und Weltkulturerbe, verdankt seine Entstehung einer Bäuerin. Die bemerkte Tränen an der wegen ihres ärmlichen Aussehens ausgemusterten Christusfigur. Das Wunder, das sich in ihrem Schlafzimmer ereignete, verbreitete sich blitzschnell und zog massig Wallfahrer an. Um den Ansturm zu bewältigen, ließ der Abt von Steingaden die Wieskirche bauen – ungeachtet des finanziellen Desasters für das Kloster.

Eindrucksvoll trotzt die monumentale Klosteranlage Ettal den Bergmassiven bei Garmisch. Ein Engel soll Kaiser Ludwig dem Bayern zur Gründung eines Klosters 1329 das Gnadenbild der Maria übergeben haben, das nun im Hochaltar thront. Wie Ettal ist auch Benediktbeuern, das kostbare Reliquien beherbergte, berühmt für seine Gastlichkeit. Beide vermarkten Produkte und laden zur Besinnlichkeit oder erholsamen Rast in der schönen Klosterwirtschaft ein.

Von Karin Nagl


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Montag, 6.02.2012
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