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Königliches Jagdhaus und bizarre Klamm

Die Wanderung hinauf ins königliche Jagdhaus am Schachen beginnt am Olympiastadion in Garmisch-Partenkirchen. Das von 1869 bis 1872 nach Plänen von Georg Dollmann auf der Schachenalpe erbaute Königshaus diente König Ludwig II. als Refugium bei seinen Aufenthalten im Gebirge. Aber bevor es hinauf geht auf die 1.870 Meter hochgelegene Alpe, lohnt sich ein Blick auf die neue Skisprungschanze, die das neue architektonische Wahrzeichen des Marktes darstellt. Die sanft geschwungenen Linien der auslaufenden Bergkette finden sich in der verbindenden Linienführung der neuen Schanzenanlage wieder, die in Sportlerkreisen den Spitznamen “olympischer Freischwinger” erhielt.

Das Bauwerk ist mit transluzenten Polycarbonatplatten bekleidet, deren Anmutung sich mit dem Tageslicht und der Beleuchtung verändern. Tagsüber wird die neue Schanze mit der umgebenden Schneelandschaft zu einer Einheit. Abends, unter künstlicher, innenliegender Beleuchtung, wird der Anlaufturm zur weithin sichtbaren leuchtenden Skulptur.

Nach dem Erlebnis der modernen Architektur lockt die Partnachklamm mit ihrem spektakulären Naturschauspiel aus tosenden Wassermassen und steilen Felsen. Nach rund 20 Minuten Fußweg und der Entrichtung von 2 Euro Eintritt eröffnet sich dem Besucher ein 700 Meter langer Weg mit atemberaubenden Erlebnissen. Nach dem Passieren der Klamm folgt man der Partnach bis zum Ferchenbach. Von dort geht es über den Kälbersteig hoch zum Schachen. 

Oben angekommen, die Aufstiegszeit beträgt rund 3 ½ Stunden, schweift der Blick hinab auf den Markt Garmisch-Partenkirchen und hinauf zur majestätischen Bergkulisse des Wettersteingebirges mit der alles beherrschenden Zugspitze. Dass König Ludwig II. diese Alpe als sein Jagdrefugium gewählt hat, wird schnell klar: Die Aussicht ist überwältigend und die damals herrschende Einsamkeit der Berge der optimale Rückzugspunkt für den menschenscheuen Monarchen.

Das Schachenschloss ist ein hölzerner Ständerbau im Typus eines so genannten "Schweizerhauses" und besteht im Erdgeschoss aus fünf Wohngemächern mit Zirbelholzvertäfelung und geschichtlichen Elementen. Das gesamte Obergeschoss wird vom "Türkischen Saal" beherrscht, der mit seinen farbigen Glasfenstern, opulent bestickten Textilien, Pfauenfedern und Kandelabern die Orientbegeisterung des Königs und seiner Zeit widerspiegelt.

Für kulinarische Genüsse sorgt das unterhalb des Königshauses liegende Schachenhaus, das zu König Ludwigs Zeiten als Versorgungshaus diente. Für weitergehende Touren stehen dort insgesamt 36 Übernachtungsplätze zur Verfügung. Freunde der Botanik kommen im Alpengarten, der 1901 von Prof. Dr. Karl von Goebel angeregt und umgesetzt wurde, auf ihre Kosten. Das vom Botanischen Garten in München unterhaltene Pflanzenparadies ist einmalig in den Deutschen Alpen und zeigt neben einheimischen Gewächsen auch solche aus den Rocky Mountains und der Himalaya-Region. Nach soviel Eindrücken geht es entweder hinab zum Parkplatz oder man gönnt sich eine Nacht auf dem Berg, um das reichlich erlebte besser zu verarbeiten und am nächsten Tag die Landschaft im morgendlichen Licht zu bewundern.

Von Dietmar Stanka


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Dienstag, 7.02.2012
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