
Giesing oder „Giasing“, wie der Münchner diesen Stadtteil östlich der Isar bezeichnet, teilt sich in Ober- und Untergiesing auf. Wie es die Logik befiehlt, liegt Untergiesing direkt an der Isar und Obergiesing darüber. Kyesinga, wie die Ansiedlung 790 n. Chr. bezeichnet wurde, war lange ein Bauerndorf. Noch 1812 gab es dort gerade einmal 18 Höfe. Im Zuge der Industrialisierung entwickelte sich Giesing im 19. Jahrhundert zu einer Arbeitervorstadt. Vor allem in Untergiesing sind noch heute die dicht aneinander gebauten und einfach gehaltenen Mietshäuser Zeichen dieser Zeit.
Eine in ganz Deutschland bekannte Person wuchs als Sohn eines Postbeamten in der Zugspitzstraße in Giesing auf und hätte seine Karriere fast beim Traditionsverein dieses Viertels, dem TSV 1860 München begonnen - wenn, ja wenn ihn nicht sein Weg erst zum SC München 1906 und dann zu den Roten, dem FC Bayern München, geführt hätte. Gemeint ist natürlich der „Kaiser“ Franz Beckenbauer, der heutzutage als Aufsichtsratsvorsitzender und graue Eminenz die Fäden des bis dato erfolgreichsten Fußballvereins Deutschlands in seinen Händen hält.
Noch vor einigen Jahren war Giesing ein Geheimtipp in Sachen Kneipen, Kleinkunst und günstiger Gastronomie. Leider hat das Viertel fast alle seine Bühnen verloren und neben einigen gemütlichen Pinten und dem ein oder anderen Restaurant ist das Nightlife besser in anderen Vierteln Münchens präsent. Ehemals hämmerte Konstantin Wecker im Kaffee Giesing, einem der übrig gebliebenen Livemusik-Kneipen, seinen „Willy“ ins Klavier, heute treten ab 21 Uhr diverse Künstler auf die Bühne. Eine weitere Institution ist der Brandner Kasper, eine Kneipe, die alleine schon wegen ihrer gewagten und einzigartigen Dekoration aus dem Einerlei der Szene heraus sticht.
Im Schyrenbad, das bis 1938 nach seiner Öffnung 1847 als reines Männerbad fungierte, ist das älteste Freibad Münchens. Damals war das Wasser eiskalt, es wurde von der nahe gelegenen Isar über einen Bach ins Schwimmbecken geleitet. Zum 160. Jubiläum wurde das Bad generalsaniert und gründlich modernisiert. Becken und Umkleidekabinen wurden ebenso erneuert, wie die gesamte Technik. Das Bad in der Claude-Lorrain-Straße in Untergiesing ist übrigens das Freibad, das als erstes jedes Jahr am 1.5. die Bade-Saison eröffnet.
Ein Spaziergang entlang des Auer Mühlbachs, der streng genommen ein Kanal ist und von der Isar gespeist wird, ist ein Ausflug in die Vergangenheit. Denn dieser Bach wurde bereits 957 das erste Mal urkundlich erwähnt. Wenn er auch in Thalkirchen beginnt und in der Au wieder zurück in die Isar geleitet wird, ist der längste Abschnitt in Untergiesing zu finden. Im Bereich der Mondstraße, die auch Münchens Klein-Venedig genannt wird, verschwindet der Auer Mühlbach im Untergrund und erscheint nach dem Kolumbusplatz wieder im Tageslicht.
Zwischen Tierparkbrücke und Korneliusbrücke tummeln sich entlang der Kiesstrände der Isar am Flaucher in den Sommermonaten Tausende von Sonnenanbetern. Nackt baden ist dort seit vielen Jahren en vogue und neben den Badenden nutzen viele Sportler die Wege zum Radeln, Joggen, Walken und Skaten. Hunde finden auf den großen Wiesenflächen viele Spielgefährten und in den lauen Nächten erhellen viele Grillfeuer die Dunkelheit.
Von Dietmar Stanka
Lage: S5 / S6, U2 Giesing
Highlights: Kaffee Giesing - Live-Musik und Historie
Bergstraße 5, 81539 München
Telefron 089 69 20 57 9. www.kaffeegiesing.de
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