
Wer nach Haidhausen zieht, tut dies bewusst und nicht, weil dort gerade eine passende Wohnung frei geworden ist. Das Viertel ist begehrt, die Bewohner leben in einem ausgewogenen Multi-Kulti-Mix zusammen und die Anzahl der Kneipen ist beträchtlich. Nicht umsonst hat das Viertel viele Namen: zweites Schwabing, Glasscherben- und Franzosenviertel. Man zieht dort nicht einfach hin. Haidhausen will erobert sein und sei es durch den steilen Anstieg ("gacher Steig") von der Isarbrücke hinauf auf die Anhöhe zum Gasteig. Dort passiert es leicht, dass ein wilder Hase, der sich in den Maximiliansanlagen tummelt, den Weg kreuzt.

Im ehemaligen Glasscherbenviertel lebten Lumpensammler, Ziegelarbeiter, Tagelöhner. Herbergshäuser wie das Üblacker-Häusl in der Preysingstraße 58 – heute ein Museum – erinnern an die beengten Lebensverhältnisse. Der charmantere Name Franzosenviertel beruht auf der Namensgebung der ersten Straßen, die nach Orten siegreicher Schlachten im deutsch-französischen Krieg (1870/71) benannt wurden.
Arbeit fanden die Tagelöhner in den dortigen Brauereien. Die sind zwar verschwunden, aber eine Vielzahl an Kneipen ist geblieben; angeblich kommt auf 160 Einwohner eine Gaststätte. Und genau die sind es, die den Stadtteil auch prägen.
In den 70er-Jahren galt Haidhausen als Sanierungsfall. Die Altbauten wurden renoviert und der Stadtteil wandelte sich zum Szene- und Amüsierviertel. Schicke Boutiquen, hippe Kneipen, Galerien und Lifestyle-Läden ließen sich nieder. Wo Platz war, blieb ein Teil der Werkstätten in den zahlreichen Hinterhöfen bestehen. Andernfalls zogen Cafés ein, die durch idyllisch begrünte Höfe bestechen. Ein zweites Schwabing wurde Haidhausen dennoch nicht.
Dafür ist Haidhausen Mittelpunkt des Münchner Musik- und Kulturlebens. Schon zu Beginn des gachen Steigs steht das Muffatwerk, einst Elektrizitätswerk, heute ein Ort für moderne Konzerte und Podiumsdiskussionen (www.muffathalle.de). Hat man den steilen Anstieg zu Fuß oder mit der Straßenbahn-Linie 18 bewältigt, erwartet einen der umstrittenste Kulturbau Münchens: der Gasteig. Er beherbergt die Stadtbibliothek, die Volkshochschule, das Richard-Strauss-Konservatorium und die Philharmonie. Im Juni ist der Gasteig zudem die zentrale Anlaufstelle für alle Filmfreaks. Fast rund um die Uhr gibt es eine Woche lang die neusten Streifen zu sehen.
Fans von Theater und Kleinkunstbühne wissen sie zu schätzen, die Drehleier in der Rosenheimer Str. 123. Auf größere Veranstaltungen hat sich die Georg Elser Halle spezialisiert. (www.georg-elser-hallen.com). Regelmäßig zu JazzJunctions lädt der Unions-Bräu-Haidhausen in der Einsteinstraße 42 ein. Ein Idyll direkt am Wiener Platz ist der Biergarten des Hofbräukellers. Unter uralten Kastanien lässt es sich zünftig sitzen und für Kinderbetreuung ist auch gesorgt. In der warmen Jahreszeit wird dort auch Strandfeeling zelebriert, das Sausalitos lädt zu Cocktails in Liegestühlen ein. Neben dem ValentinKarlstadt-Theater, das Stücke des beliebten Münchner Komikerpaars zum Besten gibt, findet sich im Untergeschoss des Hofbräukellers ein Unikum: das Tanzcafé Maratonga. Es lädt alle „Junggebliebenen“ aufs Parkett. Und das mit Erfolg.
Von Karin Nagl
Lage: S1-8 Rosenheimer Platz
Highlights: Lisboa Bar - Portugal in München
Breisacher Straße 22, 81667 München
Telefon 089 44 82 27 4, www.lisboa-bar.de
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