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Solln und Pullach – Der grüne Süden der Stadt

Solln
Solln

Rumpelnd rattert auf eisernen Rädern die Bahn nach Solln. Unrast und Alltagslast hinter sich lassend entschwinden die Honoratioren eingehüllt in Schwaden schwerer Zigarren in die wohltuende Behaglichkeit der Villenkolonie am Wald.

Die Isartalbahn war entscheidend für die Errichtung der Sollner Waldkolonie Prinz-Ludwig-Höhe. Sie wurde 1892 in Betrieb genommen und fuhr von Höllriegelskreuth über Pullach und Solln nach München. Endstation war der Isartalbahnhof gegenüber der Großmarkthalle. Dort verkehrten eine Pferdebahn und später die Straßenbahn in die Innenstadt.

Erste Villenbewohner waren der Münchner Oberbürgermeister von Borscht (1907 bis 1919) und Geheimrat Professor von Linde. Beide plauderten morgens am Bahnsteig Prinz-Ludwigs-Höhe bis der eine nach Süden zu den Lindewerken nach Höllriegelskreuth fuhr und der andere zu seinen Amtsgeschäften in die Stadt.

Heute erreicht man Solln flott mit der S-Bahn oder mit dem Auto. Heute wie damals zählt die Prinz-Ludwig-Höhe mit ihrem alten Baumbestand, den prächtigen Jugendstilvillen, schönen Häusern und kleinen Wohnanlagen zu den teuersten Wohngegenden der Stadt. Den eigentlichen Charme des Villenvororts machen aber die offenherzigen Menschen aus und die vielen kleinen Geschäfte sowie das Kino und der Sollner Wochenmarkt – heute Treffpunkt und Marktplatz für Neuigkeiten.

Mit Solln endet München im Süden. Die angrenzende Gemeinde Pullach ist weithin bekannt als Noch-Zentrale des Bundesnachrichtendienstes. Mag es am Geheimdienst liegen oder an den Bewohnern, hier mauert man gern – ähnlich wie in Grünwald, dem Promiort auf der anderen Isarseite. Aber das hilft in Bayern nicht viel, zumindest wenn es um die Biergartenkultur geht.

Die Waldwirtschaft im Pullacher Ortsteil Großhesselohe gewann kurzfristig an bundespolitischer Bedeutung als der ehemalige bayerische Ministerpräsident zur Demo rief. Grund war das Ansinnen einiger Anwohner, den Biergarten früher zu schließen. Die seither geächteten Lärmgeplagten verschanzen sich weiter hinter ihren Zäunen, verdammt den Jazzklängen ohne frisch gezapftes Bier zu lauschen, allein durch die Hoffnung gestärkt, dass bald der sagenhaften Rekordausschank von 1900 gebrochen wird und vielleicht dann a’ Ruh is’, wie man hier zu sagen pflegt.

Markant über dem Isartal thront mit ihrem charakteristischen Zwiebelspitzturm die frühgotische Heilig-Geist-Kirche. Der Kirchplatz ist das eigentliche Zentrum Pullachs eingerahmt von Cafés und Wirtshäusern. Drumherum dominieren Reihen- und Einfamilienhäuser.

Ein schönes Ausflugsziel ist die Burg Schwaneck, der Stein gewordene Traum des Bildhauers Ludwig von Schwanthaler, der die Bavaria auf der Theresienwiese entwarf. Heute dient die Burg als interkulturelle Begegnungsstätte für Jugendliche. Solln ist reine Wohngegend geblieben, in der neu Hinzugekommene sich schnell einleben und jeder jeden gern grüßt. In Pullach kann man gut unerkannt leben, hat dafür aber mehr Ausgehmöglichkeiten und ist den Bergen und Seen ein kleines Stück näher. Nicht weit von beiden Orten liegt am Isarhochufer der Münchner Golfclub und der Hinterbrühler See.

von Karin Nagl



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