
"Schwabing ist kein Stadtteil, sondern ein Zustand", sagte vor gut einem Jahrhundert Franziska zu Reventlow, die Gräfin von Schwabing. Und sie, die damals in einer Wohngemeinschaft in der Kaulbachstraße lebte, musste es wissen. Der Stadtteil genoss den Ruf eines Künstlerviertels. Bestimmt durch die Nähe zur Kunstakademie trafen sich dort zu Beginn des 20. Jahrhunderts Maler wie Kirchner und die "Blauen Reiter".
Ihnen folgten Literaten, Musiker und Schauspieler. Thomas Mann lebte mit seinen Geschwistern in der Herzogstraße. Nach Frank Wedekind wurde ein Platz benannt. Seine Dramen waren immer gut für einen Skandal. Das Schwabinger Satireblatt „Simplizissimus“ wurde zum Symbol für beißende Kritik.
Auch Revolutionäre wie Mühsam und Lenin (in der Kaiserstraße) wohnten dort. Es heißt Mühsam und Kollegen hätten die 1919 niedergeschlagene bayerische Räterepublik im "Cafe Stephanie" ausgeheckt. Schwabing wurde zu Münchens Montparnasse und zu einem der wichtigsten geistigen Zentren Europas.
Die Münchner Kulturzeitschrift "Die Jugend" gab dem Jugendstil seinen Namen. Geprägt ist Schwabings Baustil durch gründerzeitliche Bürgerhäuser und Stadtvillen mit schmucken Jugendstil-Fassaden, wie in der Ainmillerstraße 22. Sehenswert sind die alten Arbeiterhäuser am Ende der Feilitzschstraße.
In der Nachkriegszeit verblasste der Mythos Schwabing. Gerüchte um die wilden Nächte Uschi Obermaiers mit Mick Jagger heizten die Gerüchteküche an und brachten Schwabing in die Schlagzeilen. Die Studenten machten in den 1960-Jahren mit den "Schwabinger Krawallen" auf der Leopoldstraße international Furore.

Doch wo einst das Herz des intellektuellen und künstlerischen Lebens von Deutschland schlug, zogen Modeläden ein. Hauptachse des heutigen Schwabings ist die Leopoldstraße. Shopping- und Gastronomiezeile. Zweimal im Jahr verwandelt sich der Flanierboulevard in ein gigantisches Streetlife-Festival, den Corso Leopold mit rund 250000 Besuchern.
Wichtigste Einkaufsstraße ist neben der Leopoldstraße, auf der Marken wie „Zara“ und „Hallhuber“ vertreten sind, die Hohenzollernstraße. Wer hier wohnt, erhält alles, was er zum Leben braucht. Gemütlich schlendert man an hübschen Boutiquen und Einrichtungsgeschäften, Supermärkte, Drogerien und netten Cafés entlang. Kleidet sich afrikanisch, findet exotische Wohnaccessoires und Antiquitäten aller Art in den Kellern der „Kunstoase“.
Einzigartig ist der „Kostümverleih Breuer“, der nicht nur für Fasching, sondern auch für feierliche Anlässe das Passende bietet. Designermode gibt’s bei „Virmani“, für Herren nicht nur Boss bei „Herdt“. Flippiger geht’s bei „Vero moda“ oder „Ermano Moda Uomo“ zu. Und die Sportlichen können zwischen „adidas“ und „Nike Women“ wählen. Entspannung finden Bummler im „Caffè Florian“ oder dem Eiscafé „Venezia“, das gegenüber dem „Café Schwabing“ liegt.
Das Schwabings berühmter Mythos zwar verblasst ist, das Viertel aber immer noch für Legenden gut ist, zeigen Kabarettbühnen wie „Heppel & Ettlich“ in der Kaiserstraße oder die seit über 50 Jahren unübertroffene „Lach- und Schießgesellschaft“ mit Dieter Hildebrand in der Haimhauser-, Ecke Ursulastraße.
Von Karin Nagl
Lage: U3 / U6 Münchener Freiheit
Highlights: Schwabinger 7 - Crossover-Kultkneipe
Feilitzschstraße 7, 80802 München
Telefon 089 34 84 70, www.schwabinger7.de
Shoppingmeile Hohenzollernstraße
Ein Paradies für Shopping-Fans!
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